Enzianblüte am Hochhäderich

Enzianblüte am Hochhäderich

Kraxeltour im Allgäuer Alpenvorland

Oberhalb der Falkenhütte zwängt sich der Pfad in einem zwei, drei Meter hohen Spalt hinauf. Kein Hexenwerk für die einen, unüberwindbares Hindernis für weniger geübte Wanderer. Wer es schafft, hat den ersten Schritt am Weg zum Hochhäderich getan. Ein steiler Steig zieht zum Gipfelkreuz „Auf dem Falken“ hinauf. Dann ist Zeit zum Verschnaufen. Kurz hinsetzen, das Panorama genießen – von den Allgäuer Alpen über den Bregenzerwald zu den Ostschweizer Bergen. Rechts vom Säntis lässt sich erahnen, was noch kommt. Am weiteren Gratverlauf zum Hochhäderich hebt sich eine messerscharfe Felsschneide aus dem Grün des Bergwaldes ab.

Ein hübscher Bergpfad windet sich hinab zur tiefsten Stelle zwischen beiden Tageszielen. Auch hier versucht die eine oder andere kleine Felsbank aus Nagelfluh das Vorwärtskommen zu erschweren. Fixseile helfen über diese „Schlüsselstellen“ hinweg. Bei Regen wird es trotzdem unangenehm rutschig. Der „Herrgottsbeton“, das so künstlich anmutende Gestein aus runden, fest zu einem Konglomerat verbackenen Kieseln aus eiszeitlichem Schotter, ist wenig kletterfreundlich. Einmal unten, geht es sogleich wieder bergauf. Immer dem felsigen Grat folgend, mal anregend an der Kante, mal etwas versetzt im jähen Berghang. Auch hier helfen Drahtseile über Steilstufen. Wurzeln und Tritte geben zusätzlich Halt.

Almenwandern ist die entspannte Alternative zum Kraxeln. Zwischen der Nagelfluhkette und dem vorgelagerten Imbergkamm breitet sich Bayerns größtes zusammenhängendes Alpgebiet aus. Mitten drin liegt Hörmoos. Am Alpengasthof hält der Bergbus von der Bergstation der Seilbahn von Steibis zum Imberg (vstl. ab 30.5. in Betrieb) zur Falkenhütte. Direkt gegenüber steht Michael Schneiders Brennerei umgeben von einem herrlichen Wildwuchs-Kräutergarten. Die wichtigste Zutat für seinen Kessel wächst jedoch auf den Bergwiesen über der höchstgelegenen Brennerei im Allgäu. Im Herbst steigt er mit Spitzhacke und Spaten in die Steilhänge und darf dort eine halbe Tonne Wurzeln des sonst streng geschützten Gelben Enzians stechen. Das ist Knochenarbeit, denn die bis zu einen Meter langen Wurzeln wehren sich, krallen sich in den Boden, umschlingen Steine. Ein Stück bleibt stets im Boden. Ausgestochenes Gras wird behutsam wieder angedrückt, den Rest erledigt der Winter. In rund zehn Jahren blüht die Pflanze wieder. Die Wurzelmaische vergärt acht Wochen mit Bio-Äpfeln vom Bodensee und wird ein Jahr lang gelagert. Wem der Brand zu kräftig ist, lässt sich vom weicheren Enzian-Cuvée aus dem Bourbonfass überraschen oder versucht den goldprämierten AllgäuGin.

Wussten Sie eigentlich… …dass wie beim Enzianbrand auch beim Käse die guten Bergkräuter das unverfälschte und intensive Aroma erzeugen? […]

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